Julia Immich, freiberufliche Marketing Managerin für Personalberatungen, spricht über den Umbruch der Branche, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Personalberater hat und warum die Online Vermarktung wichtig ist.

 

Bestcruier: Hallo Julia. Du hast dich seit einigen Jahren auf Recruiter Branding spezialisiert. Wie ist es dazu gekommen?

Julia: In meiner Zeit als PR und Marketing Manager bei Experteer habe ich mich zum ersten Mal näher mit der Recruiter Branche beschäftigt. Die Branche war damals – vor fünf Jahren – schon im Umbruch und das Thema Active Sourcing kam auf. Gerade beim Active Sourcing ist es ausschlaggebend, dass sich ein Kandidat ganz

Julia Immich Recruiter Branding

Julia Immich über Recruiter Branding

schnell ein Bild darüber machen kann mit wem er spricht. Gerade hier ist mir aufgefallen, dass viele Recruiter und Headhunter die Chancen der Online Vermarktungsmöglichkeiten noch nicht nutzen. So kam mir die Idee mein Marketingwissen an diese Branche weiter zu geben.  Und kurze Zeit später kam auch mein erster Kunde aus der Branche – MINT Solutions – auf mich zu , mit der Bitte das Unternehmen in Bezug auf Marketing zu beraten.

 

Bestcruiter: Wie unterscheidet sich Recruiter Branding von Employer Branding

Julia: Der größte Unterschied liegt darin, dass beim Recruiter Branding ganz klar die Person des Recruiters oder Headhunters im Vordergrund steht. Jeder Recruiter agiert anders und geht mit seiner Persönlichkeit auch unterschiedlich auf seine Kandidaten und Wünsche ein. Von daher ist es wichtig den Recruiter mit seinem Fachwissen, Spezialisierungen und seiner Persönlichkeit nach außen darzustellen. Je klarer und besser die Darstellung der eigenen Person gelingt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Recruiter Kandidaten anzieht, die zu ihm passen und mit denen er gut zusammenarbeiten kann. Employer Branding spielt sich auf einer Ebene höher ab. Das heißt die Außendarstellung eines Unternehmens als Arbeitgebermarke ist gefragt. Hier sollte dargestellt werden was das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv macht. Es ist wichtig herauszufinden, warum Mitarbeiter gerne in diesem Unternehmen arbeiten, was sie motiviert und welche Werte gelebt werden.

 

Bestcruiter: Was sind deine größten Herausforderungen bei der Beratung von Headhunter-Firmen?

Julia: Die größte Herausforderung liegt darin, Verständnis dafür zu schaffen, dass es dauert eine Marke aufzubauen und es nicht mit ein paar Marketing Maßnahmen getan ist. Die nächste Hürde ist auch die Hemmschwelle zu überwinden und sich nach außen als einzelne Person zu zeigen. Gerade in den Sozialen Medien ist es wichtig, sich nach Außen persönlich darzustellen und keine Scheu zu haben auch einmal ein Video von sich drehen zu lassen.

 

Bestcruiter: Die Headhunter & Personalvermittlerbranche ist laut Meinungen eher konservativ und scheut sich vor Digitalisierung – dies ist natürlich auch ein Teil der Herausforderungen die du hast. Wie gehst du diese an? Welche Argumente helfen dir dabei die Firmen, die du berätst, in das digitale Zeitalter zu katapultieren?

Julia: Es wird zunehmend einfacher. Gerne stelle ich meinen Kunden die Frage, was sie selber in ihrem Alltag digital erledigen, welche guten digitalen Erfahrungen Sie machen, wenn Sie Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Chatbots, digitale Kundenportale, Online Terminvereinbarungen – das ist nur ein kleiner Auszug aus den gängigsten Antworten. Im nächsten Schritt sehen meine Kunden von allein, wie wichtig es ist, Kandidaten und Kunden eine zeitgemäße Dienstleistung zu bieten. Und wenn man sich die Branche näher ansieht, gibt es viele neue Personalberatungen, die von Anfang an einen digitalen Ansatz leben. Wichtig ist die Erkenntnis dann auch umzusetzen, zu investieren, umzudenken und agil zu arbeiten. Ich sehe die größte Herausforderung intern:  Sind die eigenen Mitarbeiter bereit – neben den klaren Saleszahlen – neue Tools anzuwenden, Social Media Maßnahmen des Unternehmens zu unterstützen und auch Neues zu wagen, ohne zu wissen, ob es zu Abschlüssen kommt. Genau das ist der Knackpunkt, der mehr als nur eine Marketingberatung benötigt, hier setze ich auf  meine Coachingkenntnisse.

 

Bestcruiter: Wenn du in die Zukunft blickst, wo siehst du die Entwicklungen bzw. Gefahren für die Branche und wie können diese angegangen werden?

Julia: Es bleibt weiterhin spannend, so viel ist klar. Vor ein paar Jahren hieß es noch, dass es durch Active Sourcing keine Personalberatungen mehr geben wird, da Unternehmen dieses Wissen nun selber aufbauen. Ist dieses Szenario eingetreten? Nein. So sehe ich auch weniger Gefahren, sondern viele Chancen in den folgenden Punkten: Automatisierung & Digitalisierung. Dadurch, dass es mehr und mehr neue Tools gibt und auch Programme, die zum Beispiel vorgeben an Hand künstlicher Intelligenz die gleiche Leistungen zu erbringen, wie Headhunter, ist die Branche gefordert. Gefordert in dem Sinne, noch mehr den Vorteil der Branche herauszuarbeiten: das ist der menschliche Aspekt, die persönlichen Kontakte und oft auch die Erfahrung, die einen guten Headhunter ausmachen. Menschliche Intuition, die gerade im Bewerbungsprozess ausschlaggebend ist, kann keine Maschine ersetzen. Hier gilt es nun sich zu überlegen, welche weiteren Leistungen kann ich in Zukunft anbieten, die genau meine persönlichen Erfahrungen, mein gutes Menschengespür fordern? Weitere Herausforderungen sehe ich im Kandidatenmarkt, der sich ändernden Arbeitswelt, den damit verbundenen neuen Berufsbildern und neuen Kompetenzen, die hier gefragt werden und den neuen Generationen die in die Arbeitswelt einsteigen. Wie gesagt, es bleibt spannend!

 

Bestcruiter: Vielen Dank für das Interview Julia

 

Julia Immich
Marketing & PR Freelancer
www.juliaimmich.de
julia.immich@gmail.com

 

Bestcruiter ist die größte offene Recruiter Branding Plattform im deutschsprachigen Raum. Wir verbinden Unternehmen und Kandidaten mit dem passenden Headhunter. Schnell, zielführend und transparent!