Bestcruiter: 
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) schreibt in einem neuen Bericht, dass es noch 217 Jahre dauert bis zur Gleichberechtigung. Dies ist natürlich eine kontroverse Aussage. Wie schätzen Sie die Situation in Deutschland ein?

Barbara Seeger: Die Situation in Deutschland hat sich verbessert, Gleichberechtigung ist aber noch keine Selbstverständlichkeit. Viele Unternehmen haben zu spät begonnen, Frauen zu fördern. Der demographische Wandel und der Fachkräftemangel erhöhen nun den Druck auf die Wirtschaft. Es wird immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen. Auf qualifizierte Frauen werden die Unternehmen in Zukunft nicht mehr verzichten können. Das gilt auch für Führungspositionen.

Barbara Seeger

Barbara Seeger

Bestcruiter: Was steht uns im Wege zur Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern in der 
Wirtschaft? Es existieren ja bereits die ersten Maßnahmen der Bundesregierung zur Steigerung der Frauenquote. Ist dies bereits genug oder braucht es mehr Unterstützung?

Barbara Seeger: Die Frauenquote, wie sie jetzt existiert, ist aus meiner Sicht noch nicht ausreichend. Dieses Jahr haben 16 Frauenverbände, die insgesamt mehr als 12,5 Millionen Frauen vertreten, die Berliner Erklärung unterzeichnet. Sie fordern die Parteien auf, die Frauenquote von den derzeit 108 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen auf die rund 3.500 börsennotierten oder voll mitbestimmten Unternehmen auszuweiten. Außerdem soll eine Zielgröße von ebenfalls 30 Prozent für die Vorstände von Firmen und die beiden darunterliegenden Führungsebenen eingeführt werden. Beim Thema „gleiche Bezahlung“ werden weitere Maßnahmen zusätzlich zum Entgelttransparenzgesetz gefordert. Ich finde den Appell der Verbände sinnvoll.

Ziel ist, sich von alten Rollenbildern zu verabschieden und neues Denken und Handeln zu fördern.

Bestcruiter: Gesetze sind eine Maßnahme, um die Kluft zwischen Frauen und Männern zu schließen. Viel wichtiger ist aber die Einstellung der einzelnen Menschen – Mitarbeiter, Vorgesetzte etc. Es geht um die allgemeine Sensibilität bei diesem Thema. Was kann unser Umfeld hier noch besser machen?

Barbara Seeger: Ja, das stimmt. Es gibt immer noch Vorbehalte gegen die Frauenquote und gegenüber dem Thema Gleichberechtigung insgesamt. Das Thema Diversity wird durch die Charta der Vielfalt, die mittlerweile von mehr als 2.400 Unternehmen und Institutionen in Deutschland unterzeichnet wurde, vorangetrieben. Auch die Initiative „Chefsache“, die sich für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Führungspositionen einsetzt, leistet einen wesentlichen Beitrag, um den Wandel in der Arbeitswelt anzustoßen.
Die Führungskultur ist zentral bei der Einführung und Umsetzung einer Kultur der Vielfalt. Schulungen und Coachings für Führungskräfte sind oft erfolgreich. Wichtig ist aber auch eine Kommunikationsstrategie, die die Akzeptanz der Mitarbeiter verbessert. Ziel ist, sich von alten Rollenbildern zu verabschieden und neues Denken und Handeln zu fördern. Studien belegen, dass die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens eindeutig zunimmt, wenn 15 bis 20 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sind.

Bestcruiter: Frau Seeger, Sie selbst setzen sich seit Jahren dafür ein, den Anteil von Frauen im Management zu erhöhen. Was sind Ihre Erfolge und was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Barbara Seeger: Ich war 16 Jahre eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der Energiewirtschaft. In dieser Position war es mir immer wichtig, Frauen zu fördern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen und Teilzeitstellen zu schaffen. In meiner Funktion als Mitglied der Geschäftsführung habe ich selbst für einige Zeit in Teilzeit gearbeitet und gezeigt, dass das Führen von großen Bereichen auch in Teilzeit erfolgreich funktionieren kann.
 Durch meine Arbeit als Beraterin möchte ich dazu beitragen, weibliche Führungskräfte in spannende Positionen zu vermitteln und weibliche Nachwuchsführungskräfte durch spezialisierte Coachings bei ihrer Karriere zu unterstützen. Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Führungspositionen ist längst überfällig.
Vielen Dank für das Gespräch Frau Seeger

Barbara Seeger ist Managementberaterin mit langjähriger Führungserfahrung in der Energiewirtschaft. In dieser Position war sie auch für die Auswahl von Mitarbeitern, insbesondere von Führungskräften, und für die Personal- und Führungskräfteentwicklung verantwortlich. Barbara Seeger hat sich auf die Personalberatung und Karrierebegleitung von weiblichen Führungskräften spezialisiert (www.bs-managementberatung.de).

 

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